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Stellungnahme zum Ökotest PAK in Kinderartikeln

Spielzeugsicherheit wird von der Spielwarenindustrie sehr ernst genommen und hat bei den Mitgliedsfirmen des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie (DVSI) höchste Priorität. Es ist gut, dass Institutionen wie Ökotest eigene Prüfungen durchführen, damit fehlerhafte Produkte aufgefunden werden. Dennoch sollte das Gesamtbild differenziert und sachlich korrekt dargestellt werden.

„Ökotest legt für die Bewertungen im Test eigene Anforderungen zugrunde, die unabhängig von den geltenden gesetzlichen Vorgaben für Spielzeugsicherheit aufgestellt werden. Diese nicht offen dargelegte Methode vermittelt dem Verbraucher den Eindruck, dass gesetzeskonforme Produkte ein Risiko darstellen. Dies ist nicht der Fall“, so Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des DVSI.

Die Risikobewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung Nr. 032/2010 zu polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ist Bestandteil eines Beschränkungsdossiers, das von verschiedenen deutschen Behörden zusammengestellt und 2010 der Europäischen Kommission übergeben wurde. Es enthält die Empfehlung, den Gehalt der krebserregenden PAK in Verbraucherprodukten auf maximal 0,2 mg/kg zu beschränken. Dieser Wert orientiert sich an der derzeitigen Nachweisgrenze der Analysemethode des deutschen GS-Gütesiegels. Eine Quantifizierung ist nur oberhalb dieser Bestimmungsgrenze möglich. Die von Ökotest ermittelten Werte liegen jedoch zum Teil unterhalb der Bestimmungsgrenze dieser anerkannten Methode und sind deshalb nicht zuverlässig nachzuweisen. Ein PAK-Gehalt von 0,2 mg/kg entspricht darüber hinaus der natürlichen Belastung im urbanen Lebensraum und ist deshalb als Grenzwert zu scharf.

Entsprechend wird im Rahmen der in der EU verbindlichen Chemikalienregulierung REACH (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) seit einem Beschluss der EU-Kommission im Sommer 2013 unter Beteiligung der Mitgliedstaaten ein höherer Grenzwert für PAK zugrunde gelegt. Gemäß Anhang XVII der REACH-Verordnung werden acht als karzinogen eingestufte PAK in Verbraucherprodukten erstmalig beschränkt sind. Während dabei für Alltagsprodukte ein PAK-Grenzwert von 1 mg/kg nicht mehr überschritten werden darf, gilt für das Auftreten von PAK in Spielzeugen sogar ein besonders strenger Grenzwert von 0,5 mg/kg. Dieser ist noch niedriger als z.B. der zulässige Grenzwert von PAK in Babynahrung (1 mg/kg).

Die von Ökotest in den untersuchten Spielzeugen nachgewiesenen PAK, die in REACH reguliert sind, überschreiten den Grenzwert von 0,5 mg/kg nicht; allerdings traten bei vier Kinderartikeln erhöhte Werte auf. Andere ebenfalls nachgewiesene PAK, die nicht unter REACH fallen und deren gemessener Gehalt über 1 mg/kg liegt, sind nicht als karzinogene, mutagene oder reproduktionstoxische (CMR) Verbindungen eingestuft. Für den PAK Naphthalin wurden Gehalte oberhalb der Nachweisgrenze von 0,2 mg/kg ermittelt. Allerdings hat Naphthalin verglichen mit Benzo(a)pyren, dem am stärksten karzinogen wirkenden der acht unter REACH regulierten PAK, eine tausendfach geringere Toxizität (Toxizitäts-Äquivalenz-Faktor 0,001). Die von Ökotest gemessenen Gehalte von PAK, die nicht nach REACH beschränkt sind, sind insofern tendenziell unbedenklich.
Der DVSI widerspricht außerdem dem von Ökotest vorgebrachten Argument, das Fahrzeugreifen bezüglich des Vorkommens von PAK strenger reglementiert seien als Spielwaren. Tatsächlich gilt bei Reifen gemäß der Richtlinie 2005/69/EG für Benzo(a)pyren ein Grenzwert von 1 mg/kg und für die acht unter REACH regulierten PAK insgesamt ein Summengrenzwert von 10 mg/kg. Diese PAK, die zu den CMR-Stoffen zählen, dürfen in Spielzeug nach der europäischen Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG und dem Produktsicherheitsgesetz nur noch bis zu einem Einzelgrenzwert von 0,5 mg/kg enthalten sein. Das Vorkommen der weiteren von Ökotest in der Spielzeuguntersuchung monierten PAK, die nicht zur Kategorie der CMR-Stoffe gehören, wird bei Reifen erst gar nicht gemessen.

Die Gesundheit der Kinder ist das höchste Gut und muss geschützt werden. Deshalb ist Spielzeug eines der am stärksten regulierten Konsumgüter in Europa. Die europäische Spielzeugrichtlinie wird fortlaufend entsprechend neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hinterfragt und bei Bedarf angepasst, um maximale Sicherheit für Kinder zu gewährleisten. Die Spielwarenindustrie ist ein Vorreiter bei Spielzeugsicherheit. Deshalb begrüßen wir jede konstruktive Diskussion zu diesem Thema. Diese sollte jedoch stets auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und gesetzlicher Vorgaben erfolgen. Ist dies nicht der Fall, werden die Verbraucher unnötig verunsichert und es wird der Eindruck erweckt, die Sicherheit von Spielzeug sei nicht gewährleistet. Dem widersprechen die Mitglieder des DVSI ausdrücklich.

Stuttgart, 25.7.2014.


Pressekontakt

Wolf Günther

Wolf M. Günthner
Pressevertreter DVSI und Spieleverlage e.V.

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